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FNR: Neues Verfahren ‚StripCompact‘: Stickstoff aus Biogas-Gärresten effizient und kostengünstig gewinnen

Verbund aus Forschung und Praxis baut Demonstrationsanlage

08.06.2026 – Im Vorhaben StripCompact2 wollen drei Partner ein innovatives Verfahren zur Ammoniakstrippung von Biogasgärresten weiter entwickeln und in einer Demonstrationsanlage erproben. Beteiligt sind die Technische Universität Berlin (TU Berlin), die REW Regenis GmbH und die BioStrategie SD GmbH.

Das Verfahren verspricht eine effizientere Gewinnung stickstoffhaltiger Nährstoffkonzentrate, die sich auch für den ökologischen Landbau eignen. Aufgrund relativ geringer Kosten ist das Verfahren zudem für kleine und mittlere Biogasanlagen interessant, die in der Regel noch keine Gärrestaufbereitung betreiben.

Die aktuelle Energiekrise verdeutlicht, wie abhängig die Landwirtschaft von fossilen Energieträgern ist: Mineralische Stickstoffdünger, die zu ihrer Herstellung Erdgas benötigen, werden knapper und teurer. Ein effizientes und kostengünstiges Verfahren zur Gewinnung von organischem Stickstoff aus Biogasgärresten, das auch für kleine und mittlere Biogasanlagen umsetzbar ist, könnte zu einer besseren Versorgung mit Stickstoffdünger beitragen.

Verfahren und Produkte

Das Besondere am StripCompact-Verfahren ist die Verwendung des BHKW-Abgases zur Trocknung der Feststofffraktion und gleichzeitigen Strippgas-Erzeugung. Versuche an der Laboranlage im Vorläuferprojekt hatten bereits gezeigt, dass der CO2-Anteil im Abgas – ideal sind 20 Prozent – die Ammonium-Konzentration in der Waschlösung stark erhöht. Im Kondensator entsteht dann eine wässrige Ammoniaklösung, die auch im Ökolandbau als Dünger eingesetzt werden kann. Die Laboranlage erreichte im ersten StripCompact-Projekt Rückgewinnungsraten für Ammoniumstickstoff von bis zu 95 Prozent.

Insgesamt lassen sich mit Hilfe des StripCompact-Verfahrens folgende vermarktungsfähige Nährstoffkonzentrate erzeugen:

  • Ammoniakstarkwasser mit hoher Stickstoffkonzentration, auch im ökologischen Landbau einsetzbar (Hauptprodukt),
  • 24%ige Ammoniumsulfatlösung mit niedriger Stickstoffkonzentration (Nebenprodukt)
    oder
  • Weiterverarbeitung der Ammoniumsulfatlösung zu Ammoniumsulfat-Granulat (Nebenprodukt).

Praxisanlage zur Ammoniakstrippung der Terrawater GmbH. Bislang werden entsprechende Anlagen im Biogasbereich individuell ausgelegt. Das StripCompact-Verfahren soll zu einem kostengünstigen und standardisierbaren Verfahren weiterentwickelt werden. Quelle: Terrawater GmbH

Mehr Wirtschaftsdünger einsetzbar

Wie bei der Gärreststrippung generell, erlaubt auch das StripCompact-Verfahren über die Rückführung der stickstoffreduzierten Gärreste in den Fermenter eine Kontrolle des Ammoniakgehalts im Gärprozess. Dadurch sind größere Mengen stickstoffhaltiger Substrate wie Hühnertrockenkot einsetzbar, ohne dass es zu einer biologischen Hemmung kommt. Dies unterstützt die Ziele der Bundesregierung, mehr tierische Wirtschaftsdünger für die Erzeugung von Biogas und Biomethan zu erschließen und damit zum Klimaschutz beizutragen. Auch der Einsatz von Schlachtabfällen ist möglich. Einen weiteren Pluspunkt stellt die zeitweise Temperaturerhöhung der Substrate auf über 70 °C dar, die zu einem stärkeren Aufschluss der Organik und einer gesteigerten Biogasausbeute führt. Um den Prozess mit Wärme zu versorgen, ist die Abwärme des BHKW ausreichend.

Wirtschaftlichkeit

Eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung für eine StripCompact-Anlage an einer 500 kWel-Biogasanlage ergab bei einer Investition von 550.000 EUR eine knapp 30-prozentige Rendite und eine Amortisierungsdauer von nur 2,4 Jahren. Pflanzenbauliche Vorteile durch den Ersatz von Mineral- durch organische Dünger, wie die bessere Versorgung mit Spurenelementen oder stärkeren Humusaufbau, sind dabei noch nicht berücksichtigt. Durch die im Vergleich zu herkömmlichen Strippanlagen niedrigen Investitionskosten kann das StripCompact-Verfahren auch für kleinere und mittlere Biogasanlagen erfolgreich umsetzbar zu sein.

Auf Basis der Betriebserfahrungen der Demonstrationsanlage wollen die Forschenden die bisherigen Versuchsergebnisse validieren und bis Ende 2028 ermitteln, ob das neue Verfahren Chancen für eine Umsetzung am Markt hat.

Projektinformation

Die Vorhaben StripCompact2 und StripCompact werden bzw. wurden vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) über den Projektträger Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) gefördert. Mehr Informationen und der Abschlussbericht von StripCompact stehen auf fnr.de unter den Förderkennzeichen 2224NR163A-C und 2220NR044X zur Verfügung.

Über die FNR

Fachlicher Kontakt: 
Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V.
Dr. Anne Warnig
Tel.: +49 3843 6930-178
Mail: a.warnig(bei)fnr.de

Pressekontakt:
Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V.
Nicole Paul
Tel.: +49 3843 6930-142
Mail:  n.paul(bei)fnr.de

PM 2026-29

 

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