Bio-LNG: Zukunftsaussichten für Biogasanlagen

Bio-LNG: Zukunftsaussichten für Biogasanlagen

Die Familienunternehmen Ruhe Agrar GmbH und das Energie- und Tankstellenunternehmen Q1 Energie AG schließen Langzeitabnahmevertrag für Bio-LNG-Projekt „Green Line Liquid“. Das junge Unternehmen agriportance begleitete den Vertragsschluss.

Am Montag, den 06.09.2021 wurde im niedersächsischen Lüsche ein Bio-LNG Liefervertrag zwischen der Q1 Energie AG und der Ersten Bioenergie Darchau GmbH & Co. KG (Tochterunternehmen der Ruhe Agrar GmbH) für das ab Sommer 2022 in Darchau im Landkreis Lüneburg produzierte Bio-LNG („Bio Liquefied Natural Gas“) unterzeichnet. „Der Vertag sichert die Abnahme des Biokraftstoffs über 8 Jahre und hat über den Zeitraum einen Wert im zweistelligen Millionenbetrag.“, sagte Thomas Rolfes, Geschäftsführer der Ruhe Unternehmensgruppe. Q1 nimmt den Treibstoff ab und vermarktet diesen für den Straßengüterverkehr. Damit ist die Langzeitabnahme für das produzierte Bio-LNG gesichert.

Von links: Maximilian Ruhe (Ruhe Biogas Service GmbH), Henning Dicks (agriportance), Thomas Rolfes und Kunibert Ruhe (Ruhe Agrar GmbH), Frederick Beckmann und Martin Hoffschröer (Q1 Energie AG)

Q1 ist Treiber im LNG-Markt

Für das Energie- und Tankstellenunternehmen Q1 Energie AG aus Osnabrück ist das der erste Vertrag dieser Art. Künftig soll etwa einmal wöchentlich ein LKW das produzierte Flüssiggas in Darchau abholen und an Tankstellen in Niedersachsen liefern. Q1 als einer der Pioniere im LNG-Sektor betreibt neben 230 Straßentankstellen in Deutschland bereits heute 2 LNG Tankstellen in Osnabrück und Koblenz. „Noch in diesem Jahr werden wir weitere Standorte in Wittlich und Ulmen eröffnen und bauen unser Netz kontinuierlich weiter aus.“ sagte Martin Hoffschröer, Leiter Nachhaltige Energien der Q1 Energie AG. „Bio-LNG stellt einen wesentlichen Baustein zur Dekarbonisierung unseres Produktportfolios dar und bietet bereits heute die Möglichkeit den Schwerlastverkehr klimaneutral oder im besten Falle sogar klimapositiv zu stellen“ betonte Frederick Beckmann, Vorstand der Q1 Energie AG.

agriportance effizienter Dienstleister und Vermittler

Das junge Unternehmen agriportance aus Münster begleitet das Bio-LNG-Projekt von Ruhe Agrar. Es lieferte ein breites Beratungsangebot zur Treibhausgas-Bilanzierung und ein eigens entwickeltes Tool für die Bilanzierung von Treibhausgasen im Vorfeld der Zusammenarbeit. „Auch die enge Begleitung der Nachhaltigkeitszertifizierung des zukünftigen Bio-LNG-Produzenten ist sehr bedeutend“, sagte Henning Dicks, Geschäftsführer von agriportance. Ein niedriger Treibhausgaswert etwa durch die Auswahl der geeigneten Substrate ermöglicht einen deutlich verbesserten Preis für das Bio-LNG. Somit gilt je klimafreundlicher das Bio-LNG, desto besser der Produktpreis für den Produzenten. Die Zertifizierung wird jährlich durch einen RED-zertifiziertes Umweltgutachterbüro vorgenommen. Besonders wirtschaftlich sind laut Henning Dicks Substrate wie Gülle, Mist oder andere Reststoffe. In Darchau wird der Biokraftstoff daher rein aus Rindergülle, Festmist und Reststoffgras von den Elbdeichen hergestellt. Das junge Unternehmen begleitete den erfolgreichen Vertragsabschluss mit der Q1 Energie AG, durch die Vertragsgestaltung und das Zusammenführen der beiden Parteien. agriportance nimmt eine entscheidende Rolle in der Vermittlung des Bio-LNGs ein. Es kümmert sich zudem um den Absatz der anfallenden Treibhausgas-Quote an verschiedene Abnehmer aus dem Verkehrssektor.

Green Line Liquid als Nachfolgekonzept für Biogasanlagen

Die für das Projekt eingesetzte Biogasaufbereitung- und Verflüssigungstechnologie ist ein Produkt der Ruhe Biogas Service (ein Unternehmen der Ruhe Gruppe) und wird über die Marke „Green Line Liquid“ verkauft. „Der dezentral produzierte Kraftstoff leistet nicht nur einen Beitrag zur CO2 Einsparung im Verkehrssektor, sondern ist gleichzeitig ein Nachfolgemodell für die Verstromung von Biogas im Rahmen des EEG“, betonte Kunibert Ruhe. „Damit kann der wirtschaftliche Betrieb von Biogasanlagen und damit der Nutzen der Erneuerbaren Energiequelle sichergestellt werden.“ „Das Bestreben der Ruhe Biogas Service ist es den Biogasproduzenten den Umstieg von Stromproduktion auf die Biokraftstoffproduktion möglichst einfach zu gestalten“, so Maximilian Ruhe, Geschäftsführer der Ruhe Biogas Service GmbH. Denn das Unternehmen verkauft nicht nur die Technologie, sondern bietet ein Betreibermodell an in dem das Unternehmen die Technologie finanziert und auf den Hof stellt und das Rohgas zu fairen Konditionen von Betreibern einkauft. Weitere Anlagen befinden sich bereits in Planung. Sowohl aus dem hauseigenen Biogas-Portfolio der Ruhe Agrar als auch von weiteren Landwirten mit auslaufender EEG-Vergütung. Durch die Technologie, die Zusammenarbeit mit Q1 und agriportance möchte sich die Ruhe Unternehmensgruppe als ein führendes Unternehmen im Biokraftstoffmarkt positionieren.

Biogasprojekt leistet Beitrag zu Klimazielen

Der Verkehrssektor ist der größte Energieverbraucher in Deutschland und nach der Energiewirtschaft der drittgrößte Sektor bei der Erzeugung von Treibhausgasemissionen. Im Rahmen des Projektes Green Line Liquid soll ab Sommer 2022 das lokal produzierte Biogas aufbereitet und zum klimafreundlichen Kraftstoff Bio-LNG veredelt werden. Weltweit gibt es bereits Anlagen, welche pro Stunde hunderte von Tonnen konventionelles Erdgas verflüssigen, um es als Kraftstoff für z.B. den Straßengüterverkehr zu verwenden. Durch die Anwendung der Technologie im Biogasbereich leistet das Projekt einen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele der Bundesregierung. Ab Sommer 2022 werden täglich etwa 2,3t Bio-LNG pro Tag erzeugt. Diese Menge des alternativen Biokraftstoffs entspricht etwa 3.500l fossilem Diesel. Pro Jahr bedeutet das eine äquivalente Dieselmenge von etwa 1,3 Mio. Liter bzw. jährliche CO2-Einsparung von 6 – 7 Mio. kg CO2. Das Projekt wird aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) im Rahmen der Richtlinie für die Gewährung von Zuwendungen zur Verbesserung der Versorgung mit alternativen Treibstoffen in Niedersachsen mit 55 % bezuschusst.

 

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