Biomethan ist Klimaschutz auf jedem Kilometer

Biomethan ist Klimaschutz auf jedem Kilometer

Biogasrat+ stellt Studie „Klimabilanz, Kosten und Potenziale verschiedener Kraftstoffarten und Antriebssysteme“ für Pkw und Lkw vor

Berlin, 11.09.2019. Am heutigen Mittwoch haben das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI, die Technische Universität Hamburg (TUHH) und die IREES GmbH die Ergebnisse ihrer Studie „Klimabilanz, Kosten und Potenziale verschiedener Antriebssysteme für Pkw und Lkw“ veröffentlicht. Darin kommen die Projektpartner zu dem Ergebnis, dass Biomethan einen relevanten Beitrag für die Erreichung der ambitionierten Klimaschutzziele im Verkehr leisten kann und gleichzeitig die Schadstoffemissionen senkt. „Die Studie macht deutlich, dass im Vergleich zu konventionellen und anderen alternativen Kraftstoffen, Biomethan die beste Treibhausgasbilanz aufweist“, so Janet Hochi, Geschäftsführerin des Biogasrat+ e. V. „Für die Mobilität mit Biomethan ergeben sich sogar negative Treibhausgasminderungspotenziale, sofern Gutschriften bei der Erzeugung von Biomethan aus Gülle oder Festmist gemäß der europäischen Gesetzgebung (RED II) berücksichtigt werden.“ Darüber hinaus weist Hochi darauf hin, dass auch biomethanbetriebene Fahrzeuge auf Basis nachwachsender Rohstoffe gegenüber Diesel-Pkw 60 Prozent der ausgestoßenen Treibhausgase einsparen.

Umweltauswirkungen der Elektromobilität stärker in den politischen Fokus nehmen

Die sehr gute Treibhausgasbilanz von Biomethan als fortschrittlicher Biokraftstoff aus Gülle, Stroh bzw. Bioabfällen kann von batterieelektrischen Fahrzeugen, sofern sie mit dem heutigen deutschen Strommix betankt werden, nicht erreicht werden. Nur wenn der Strom zu 100 Prozent mit Wind- und Sonnenenergie erzeugt wird, können mit Biomethan vergleichbare Mengen an Treibhausgasen eingespart werden. „Von einer 100 prozentigen erneuerbaren Stromversorgung sind wir in Deutschland leider noch weit entfernt, jede Kilowattstunde erneuerbaren Stroms, die heute also in den Verkehrssektor fließt, muss in den anderen Sektoren, wie dem Strom- oder Wärmesektor, durch fossile Energieträger kompensiert werden, mit entsprechend negativen Auswirkungen auf den Klimaschutz. Hinzu kommt, dass bislang die Landnutzungsänderungen und die damit einhergehenden Auswirkungen auf die Umwelt, d. h. Biodiversität, Wasserressourcen, etc. und damit auch die Auswirkungen auf die Lebensgrundlagen der Menschen in den Regionen der Welt, in denen der Abbau seltener Erden für die Batteriezellproduktion stattfindet, nicht ausreichend politisch thematisiert werden“, kritisiert Hochi die zu einseitige Fixierung auf batterieelektrische Verkehrskonzepte. Auch die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass große Batteriekapazitäten verbunden sind mit einer schlechten Treibhausgasbilanz und hohen Kosten der Batterieproduktion und so die Gesamtbilanz der Elektromobilität verschlechtern. Insbesondere im Schwerlastverkehr sei die Nutzung von Biomethan – als gasförmiger und flüssiger erneuerbarer Kraftstoff – daher das Mittel der Wahl, um kosteneffizient sofort eine hohe Treibhausgaseinsparung zu erzielen.

Biomethanpotenzial für den Betrieb von 18 Millionen PKW vorhanden – politisches Handeln notwendig

„Biomethan weist ein hohes Mengenpotenzial auf und wird bereits heute nachhaltig, das heißt zertifiziert über die gesamte Wertschöpfungskette, und heimisch also in Deutschland erzeugt“, betont Hochi die Vorteile der Mobilität mit Biomethan. „Würden die heute zur Verfügung stehenden Biomethanmengen und die erschließbaren Biomethanpotenziale für eine nachhaltige Mobilität genutzt, so könnten damit bis zu 18 Millionen Mittelklasse-Pkw (mehr als ein Drittel des derzeitigen PKW-Bestandes) oder mehr als 1 Million Lkw ganzjährlich klimafreundlich betrieben werden.“ Der Biogasrat+ e. V. appelliert daher mit Blick auf das Klimaschutzgesetz und an das in der kommenden Woche tagende Klimakabinett, die Potenziale von Biomethan zur Reduzierung klimaschädlicher Treibhausgase im Verkehr stärker zu berücksichtigen und aktiv zu nutzen. „Biomethan ist sofort im Verkehrssektor einsetzbar, ohne die richtigen politischen Weichenstellungen kann Biomethan jedoch – trotz aller Kosteneffizienz – gegen herkömmliche Dieselfahrzeuge wirtschaftlich nicht konkurrieren, solange die Umweltschadenskosten der fossilen Kraftstoffe außen vor bleiben“, so Hochi.

In der Kostenbetrachtung der Studie haben biomethanbetriebene Fahrzeuge heute und mittelfristig die geringsten Kosten im Vergleich zu anderen erneuerbaren Kraftstoffen und Elektrofahrzeugen. Ein klares politisches Bekenntnis zu allen erneuerbaren Kraftstoffen im Verkehrssektor sei nun notwendig. Der Biogasrat+ e. V. fordert daher ein verbindliches Ziel von 20 Prozent bis 2030 für den Anteil erneuerbarer Energien im Verkehrssektor. Wesentliche Instrumente für die Erreichung dieses Ziels sind aus Sicht des Verbandes:

  • Weiterentwicklung der THG-Minderungsquote ab 2021 auf 20 % bis 2030

 

 

 

  • Einführung einer energetischen Unterquote für fortschrittliche Biokraftstoffe

 

 

 

  • Nutzung konventioneller Biokraftstoffe verbindlich bei 7 Prozent ab 2020 festschreiben, um das THG-Minderungspotenzial nachhaltig erzeugter konventioneller Biokraftstoffe auszuschöpfen (2017: THG-Minderung v. 7,7 Mio. t CO2-eq.)
  • Steuerliche Begünstigung für Bio-CNG und Bio-LNG betriebene Firmenwagen
  • Förderung des öffentlichen Beschaffungswesen für erneuerbare Kraftstoffe wie Bio-CNG und Bio-LNG sowie effizienter Gasfahrzeuge (CNG und LNG)
  • Einführung einer THG-Minderungskomponente bei der Festlegung der Mautgebühren für LKW, d.h. Reduzierung der Mautgebühren bei Nutzung emissionsarmer erneuerbarer Kraftstoffe

Hochi: „Biomethan ist eine echte Alternative zur Defossilisierung des Verkehrssektors und steht für Klimaschutz auf jedem Kilometer.“

Erfahren Sie mehr. Der vollständige Ergebnisbericht steht hier zum Download für Sie bereit.

 

Pressekontakt:
Dr. Karin Retzlaff
karin.retzlaff@biogasrat.de
Tel.: +49 30 206 218 100

 

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