Biogasrat+ zieht Bilanz zu 100 Tagen Bundesregierung

Biogasrat+ zieht Bilanz zu 100 Tagen Bundesregierung

Klima-Joker Biomethan wird massiv ausgebremst

Berlin, 18.06.2018. Nach 100 Tagen im Amt steht die Bundesregierung bei den im Koalitionsvertrag vollmundig angekündigten Klima- und energiepolitischen Vorhaben weiter auf der Bremse, so das Fazit des Biogasrat+ e.V. „Das Klimaziel der Bundesregierung, die Treibhausgase bis 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 zu senken, wird mit 32 Prozent noch krachender verfehlt, als bislang prognostiziert. Konkrete Maßnahmen, wie das 40-Prozent-Ziel so schnell wie möglich doch noch erreicht werden kann, erfolgten bislang allerdings nicht“, kritisiert Janet Hochi, Geschäftsführerin des Biogasrat+ e. V., die zögerliche und rückwärtsgewandte Haltung der Bundesregierung beim Klimaschutz.

Statt über den Einspeisevorrang erneuerbarer Energien zu diskutieren und die Energiewende infrage zu stellen, sollte der zügige Ausbau klimafreundlicher erneuerbarer Energien wieder in den Fokus der politisch Handelnden rücken, fordert der Verband. „Der Alleskönner Biomethan kann dabei in allen Verbrauchssektoren, insbesondere aber im Verkehrs- und Wärmebereich, in denen bislang keine befriedigenden Beiträge zur CO2-Reduzierung erzielt wurden, einen nachhaltigen Beitrag zur Dekarbonisierung leisten“, so Hochi.

Seit Jahren steigen die Treibhausgasemissionen im Verkehrssektor an und lagen mit rund 170 Millionen Tonnen CO2-equivalent deutlich über dem Basisjahr 1990. „Statt weiter halbgare Diskussionen über die Dieselproblematik zu führen, sollte die Bundesregierung die vorhandenen Potenziale grüner Gas-Mobilität stärker nutzen“, erklärt der Verband. So seien mit Bio-CNG und Bio-LNG Treibhausgaseinsparungen und eine Verringerung der Feinstaub- und Stickoxidemissionen von bis zu 90 % Prozent im Verkehr möglich. Die Motorkonzepte für grüne Gasmobilität existieren, das Tankstellennetz ist vorhanden, Biomethan stehe in ausreichender Menge zur Verfügung, aber die politische Unterstützung bleibe aus, kritisiert Hochi. Der Verband fordert die Bundesregierung daher auf, analog zur Elektromobilitätsstrategie im Rahmen einer grünen Gasmobilitätstrategie gemeinsam mit den Marktakteuren den Ausbau des Gastankstellennetzes voran zu treiben, den Einsatz von Bio-LNG als Kraftstoff zu unterstützen und die transparente Preisauszeichnung an Tankstellen für alternative Kraftstoffe zügig umzusetzen, so dass für Verbraucher die Preisvorteile klimafreundlicher gasförmiger Treibstoffe wie Biomethan sofort erkennbar werden.

Auch bei der geplanten Reduzierung der Treibhausgasemissionen in der Wärme- und Kälteversorgung in Gebäuden kommt die Bundesregierung nicht voran. Das Gebäudeenergie-Gesetz (GEG), mit dem die dringend notwendige Harmonisierung der Gesetzgebung im Wärmesektor in Angriff genommen werden sollte, lässt bis heute auf sich warten“, beklagt Hochi den aktuellen Stillstand im Wärmemarkt. Biomethan könne auch hier sofort, kostengünstig und effizient einen deutlichen Beitrag zum Klimaschutz leisten, da es in bestehenden Heizungssystemen, wie der hocheffizienten Brennwerttherme und in KWK-Anlagen einsetzbar sei. „Damit Biomethan seine positive Klimawirkung entfalten kann, brauchen wir eine Neubewertung bei den Primärenergiefaktoren, die auch die CO2-Minderung berücksichtigt“, erklärt der Verband. Bereits im Jahr 2012 habe die Bundesregierung einen Faktor von fp=3,6 für Biomethan wissenschaftlich belegt, eine Anpassung erfolgte jedoch nicht.

Schon heute speisen 208 Anlagen rund eine Milliarde Normkubikmeter Biomethan in das deutsche Gasnetz ein und können damit ortsunabhängig in allen Energieverbrauchssektoren für klimafreundlichen Verkehr, Wärme und Strom genutzt werden. „Bis zum Jahr 2030 kann die Erzeugung von Biomethan umweltfreundlich und ohne Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion nahezu verzehnfacht werden“, rechnet Hochi vor. „Damit können über 27 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden. Voraussetzung für die Nutzung dieser Potenziale sind allerdings verlässliche und wirtschaftsfördernde gesetzliche Rahmenbedingungen.“ Hier sei nun dringend die Politik gefordert!

Pressekontakt:
Dr. Karin Retzlaff
karin.retzlaff@biogasrat.de
Tel.: +49 30 206 218 100

 

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